THEKTHEK RESEARCH INSTITUTE · HUIRA
THEK Research Institute · Erdbebenrisiko und urbane Resilienz

HUIRA

Hybrid Urban Inspection and Risk Assessment. Eine hybride Methodik zur Bewertung seismischer Vulnerabilität vor einem Erdbeben und zur quantitativen urbanen Zustandsbewertung nach einem Erdbeben. Sie verbindet Felddaten, Strukturtypologien und analytische Modelle.

THEK Research Institute

THEK-Methode

Entwickelt von Marcelo Moncayo Theurer. Die dokumentierte Entwicklung verbindet urbane Inspektion, statistische Typologien, Tragwerksmodellierung, Risikoskalierung sowie den Einsatz vor und nach Erdbeben.

Methodische Architektur

Vom Einzelgebäude zur urbanen Risikobewertung

HUIRA kombiniert empirische Beobachtungen an realen Gebäuden mit analytischen Informationen aus repräsentativen Tragwerksmodellen. Die Methodik kann sowohl vor als auch nach einem Erdbeben eingesetzt werden und skaliert Ergebnisse vom Einzelgebäude über Strukturtypologien bis zu Quartieren, Sektoren, Regionen oder ganzen Städten.

1. Gebäudebestand
2. Stichprobe & Inspektion
3. Typologien
4. Modelle & Indizes
5. Urbanes Risiko

Komponente 1 · Quantitative Vor-Ort-Inspektion

Die Bestandsaufnahme erfasst Innen- und Außenzustand, Risse, Knicken, Versagen und den Zustand tragender wie nichttragender Bauteile. Beobachtete Schadensanteile werden nach der Bedeutung des jeweiligen Bauteils gewichtet; eine geschädigte Stütze wird daher nicht wie ein beschädigtes Fenster behandelt.

Komponente 2 · Tragwerksmodellierung

Dominante Typologien werden in repräsentative Modelle überführt. Bewertet werden unter anderem Drift, Durchbiegung, Nachfrage/Kapazität und dynamische Charakterisierung. HUIRA verbindet diese analytische Antwort mit dem real beobachteten Gebäudezustand.

Zwei Phasen des seismischen Zyklus

Einsatzformen von HUIRA

Vor dem Erdbeben

HUIRA strukturiert den Gebäudebestand, bestimmt eine Stichprobe, identifiziert dominante Typologien und erstellt repräsentative Modelle bereits vor dem Ereignis. Präventive Inspektionen können mit geringerer Gewichtung einfließen; alternativ kann die Schadenskomponente durch mit SECA geschätzte Schäden ersetzt werden.

  • Charakterisierung des urbanen Gebäudebestands.
  • Priorisierung vulnerabler Typologien.
  • Modellierung und Vergleich mit Bemessungsgrenzen.
  • Planung von Ertüchtigung und Risikominderung.

Nach dem Erdbeben

Nach einem Ereignis können Teams das betroffene Gebiet systematisch Gebäude für Gebäude erfassen. Jeder Datensatz erzeugt einen quantitativen Index und eine operative Klassifikation, die Entscheidungen über Nutzung, vertiefte Prüfung, Sofortmaßnahmen und Umsiedlung unterstützt.

  • Schnelle systematische Stadtbegehung.
  • Digitale und georeferenzierte Datenerfassung.
  • Nutzungsbeschränkung und Priorisierung.
  • Frühe Statistik für die Schadensminderung.
Berechnung und Skalierung

Einzel-, Typologie- und Gebietsindex

In HUIRA Version 2.0 integriert eine dokumentierte Anwendung vier Komponenten: beobachteten Schaden, Durchbiegung, Nachfrage/Kapazität und Geschossdrift. Die Gewichte sind kontextabhängig und zu begründen; die historisch dokumentierten Gewichte werden als erste empirische Kalibrierung aus Erprobung, Anwendung und beruflicher Erfahrung verstanden.

IR = C₁·(%SCHADEN) + C₂·(%DURCHBIEGUNG) + C₃·(%D/C) + C₄·(%DRIFT)C₁ + C₂ + C₃ + C₄ = 1

Einzelindex

Risikowert eines konkreten Gebäudes auf Grundlage von Inspektion und/oder Tragwerksmodell.

Typologieindex

IR(j) = (1 / nⱼ) · Σ IR(i,j)

Mittelwert der Einzelindizes einer Typologie j oder der direkt ermittelte Risikowert des repräsentativen Modells.

Gebietsindex

IRGebiet = Σ (wⱼ · IR(j))

Gewichtete Zusammenführung der Typologien entsprechend ihrem Anteil am Gebäudebestand.

Wichtig: Der aggregierte Gebietsindex ist nicht als Anteil der Gebäude zu interpretieren, die einstürzen werden. Er beschreibt das aggregierte strukturelle Risiko des repräsentierten Bestands.
Methodischer Vergleich

HUIRA und FEMA 154: komplementär statt gleichartig

Die Anwendung in Santa Rosa verglich die Methode der Universidad de Guayaquil — den akademischen Vorläufer von HUIRA — direkt mit FEMA 154. Beide Verfahren liegen auf unterschiedlichen Bewertungsebenen: FEMA eignet sich besonders für ein schnelles visuelles Screening; HUIRA geht in eine quantitative Detailbewertung und verknüpft Felddaten mit Tragwerksmodellen.

AspektFEMA 154HUIRAKomplementarität
BewertungsebeneRapid Visual Screening.Quantitative Innen-/Außeninspektion plus Modellierung.FEMA filtert; HUIRA vertieft.
HauptergebnisScore zur Identifikation vertieft zu prüfender Gebäude.Schadens-/Risikoindizes, Typologien und urbane Skalierung.HUIRA kann als quantitative zweite Ebene dienen.
Beobachteter SchadenGlobale Vulnerabilitätsmerkmale.Bauteilbezogene Quantifizierung struktureller und nichtstruktureller Schäden.Höhere Auflösung für Priorisierung und Maßnahmenplanung.
TragwerksmodelleNicht Kern des Schnell-Screenings.Repräsentative Modelle sind Teil der hybriden Architektur.Verknüpft realen Zustand und erwartete strukturelle Antwort.
Akademische Nachvollziehbarkeit

Drei dokumentierte Anwendungen

2018

Vinces · Avilés Balón

In der heutigen Formalisierung als HUIRA Version 1.0 geführt. Die Arbeit repräsentierte 7.846 eingeschossige Einfamilienhäuser, entwickelte neun statistisch-strukturelle Typologien, quantifizierte den Gebäudezustand und formulierte einen ersten modellbezogenen Risikoansatz.

2021

Santa Rosa · Usca Sanga & Yanangómez Maza

Als HUIRA Version 2.0 geführt. Untersucht wurden 7.489 Gebäude mit zwei bis vier Geschossen. Die Arbeit nutzte eine Stichprobe für endliche Grundgesamtheiten, sieben Typologien und integrierte Schaden, Durchbiegung, Nachfrage/Kapazität und Drift. Zusätzlich erfolgte ein direkter Vergleich mit FEMA 154.

2022

Guayaquil · Abad Macías & Vargas Castro

Anwendung auf ein Szenario eines schweren Erdbebens. In der aktuellen THEK-Formalierung wird die Szenarioerstellung mit SECA-DM und die strukturell-typologische Risikobewertung mit HUIRA verknüpft.

Die Anwendungen liefern kumulative Evidenz für praktische Anwendbarkeit und angewandte Validierung. Eine vollständige empirische Validierung erfordert weiterhin systematische Vergleiche mit real beobachteten Erdbebenschäden, Sensitivitätsanalysen und Rekalibrierung.

Einbindung in das THEK-Ökosystem

Zusammenspiel von HUIRA und SECA

SECA schätzt die Folgen eines seismischen Szenarios; HUIRA liefert die strukturelle und typologische Interpretation des Gebäudebestands. Gemeinsam unterstützen sie Szenarien vor dem Ereignis und eine schnellere Interpretation nach dem Ereignis.

SECA-GM

Severe Earthquake Consequence Assessment — Global Modeling. Globale Route zur Folgenabschätzung auf Basis einer breiten historischen Datenbasis.

SECA-DM

Severe Earthquake Consequence Assessment — Discrete Modeling Method. Diskrete Route zur Übertragung bestätigter Folgen vergleichbarer historischer Erdbeben auf die Zielstadt.

HUIRA

Ordnet erwartete Schäden Strukturtypologien zu, integriert die Antwort repräsentativer Modelle und überführt das Szenario in nutzbare Informationen für Vulnerabilität, Priorisierung und Risikominderung.

Konzeptionelle Kette: SECA erzeugt das Folgenszenario → HUIRA charakterisiert Typologien und strukturelles Risiko → Software unterstützt Inspektion, Priorisierung und Mitigation.
Professionelle Anwendung

Mögliche Einsatzfelder

Kommunen und öffentliche Hand

Vulnerabilitätsinventare, Notfallplanung, Priorisierung von Ertüchtigungsmaßnahmen und Bewertung nach Erdbeben.

Universitäten und Forschung

Akademische Anwendungen, vergleichende Validierung, Kalibrierung, Softwareentwicklung und gemeinsame Forschungsprogramme.

Unternehmen und Infrastrukturbetreiber

Bewertung von Portfolios, Campusarealen, Wohnanlagen, Betriebsstandorten und Planung betrieblicher Kontinuität.

Lizenzierung · Zusammenarbeit · Beratung · Vorträge

Kontakt zu Marcelo Moncayo Theurer

Das THEK Research Institute ist offen für methodische Lizenzierung, gemeinsame Forschungsprojekte, technische Beratung, institutionelle Implementierung und Fachvorträge zu HUIRA, SECA und urbaner seismischer Resilienz.

research@hithek.com